Stiefmutter

Wenn ihr denkt Mutter sein, ist eine undankbare Aufgabe, dann stellt euch mal vor wie es einer Stiefmutter geht.

Irgendwie schwer meine Gedanken dazu auf Papier zu bringen…

Ist euch mal aufgefallen, dass es nie böse Stiefväter, sondern immer nur böse Stiefmütter gibt? Sie lassen die Tochter in der Küche schlafen, setzen sie im Wald aus, oder vergiften sie sogar mit Äpfeln. Ja eine Stiefmutter wird, zumindest im Märchen, mit der bösen Hexe gleichgestellt. Warum ist das so? Sind Väter einfach austauschbar? Der neue Mann der Mutter, wird der neue Versorger der Familie. Er nimmt ganz automatisch diese Rolle ein und verdrängt den leiblichen Vater, in die Rolle des Wochenendpapas?

Aber eine Mutter kann irgendwie nie ersetzt werden und darum ist die neue Frau, an der Seite des Vaters automatisch böse? Also ist dieser „Hass“ den einer Stiefmutter entgegen gebracht wird eigentlich kein Hass, sondern Solidarität gegenüber der eigenen Mutter, dem wichtigsten Mensch in unserem Leben. Versteht mich nicht falsch, ich will die Rolle des Vaters nicht als weniger wichtig darstellen, ich stelle mir nur all diese Fragen, um zu ergründen, warum wir Stiefmütter es so schwer haben.

Stiefmütter übernehmen in einer Familie fast alle Pflichten, Aufgaben und haben die selbe Verantwortung, wie eine richtige Mutter auch. Sei es Wäsche waschen, Taxi spielen, Weihnachtsaufführungen besuchen, oder auch morgens um sieben am Bahnhof stehen, um das Kind zur Klassenreise zu schicken.
Eben alles, was sonst die Mutter übernehmen muss. Nein, sogar noch viel mehr! Denn manchmal hat man als Mutter einfach keine Lust, braucht eine Auszeit und würde seinen eigenen Kindern in dem Moment nen Vogel zeigen. Bei Stiefkindern geht das irgendwie nicht so einfach, die Hemmschwelle ist viel größer.

Denn wo sich „richtige“ Kinder, der Liebe zu ihrer Mutter gewiss sind, loten Stiefkinder diese regelmäßig neu aus. Der kleinste Anflug von Gereiztheit stellt diese Liebe in Frage.

„Magst du mich etwa nicht mehr?“

Man gibt diesen „fremden“ Kindern immer ein wenig mehr, denn schließlich will man seine Gunst nicht verlieren. Weil diese trägt maßgeblich zum Glück in der Partnerschaft und somit der ganzen Familie bei. Man ist diesem Kind ein Stück weit ausgeliefert! Und glaubt nicht, dass die das nicht genau wissen.

Auf der anderen Seite, gibt es keine/wenig Mitspracherechtes. Geht es um wesentlich Erziehungsfragen oder um banale Entscheidungen die das Kind betreffen, hat mit etwas Glück noch eine beratende Funktion.

Mama und Papa sind die letzte Instanz.

Man kann sich also noch so viel Mühe gebe, man steht immer hinten an. Und das ganz ohne einen gewissen Anspruch auf  ein „Danke“ oder sogar auf etwas Zuneigung.

 

…und wie ist es hier?

Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte ich Angst vor dieser Situation. Wie würde es sein? Werden sie mich als neue Frau an seiner Seite respektieren? Er sagte mir damals, ich solle mir keine Sorgen machen. Sie würden alles gut finden, was ihn glücklich macht.

Doch dem ist nicht so, jedenfalls nicht immer.

Hier wird rumgezickt, Intrigen ausgeheckt und Türen geknallt. Ganz oft fühle ich mich alleinerziehend mit vier Kindern. Mit einem Mann und seinen zwei Töchtern als Untermietern.

Aber manchmal gibt es diese Glanzlichter, diese schönen Momente, in denen wir fast wie eine richtige Familie sind. In denen wir zusammenhalten, lachen und uns sogar in den Arm nehmen können.

Und dann klingelt das Telefon und Mama will eine „Gute Nacht“ wünschen…

Und allen wird wieder klar, dass es auch hätte anders laufen können. Das wir Erwachsenen die Versager sind und die Kinder drunter leiden müssen. Das wir eben keine richtige Familie sind. Aber was ist schon normal?
Ich will hier niemanden ersetzen, kann ich auch gar nicht! Und das ist gut so, denn auch meine Jungs haben eine Stiefmutter, von der ich nicht ersetzt werden will.

Stellt sich zum Schluss nur noch eine Frage: Lohnt es sich?

Ja, denn was wäre die Alternative….

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese offenen Worte. Die Worte waren am Wochenende, an dem meine Stieftochter da war, mein Anker. Ich bin in einer fast gleichen Situation und es tat so gut Deinen Text zu lesen und ich fühlte mich schon gleich nicht mehr so allein, als ausserirdische Patchworkfamilie in der halt nicht immer alles Friede, freude Eierkuchen ist. 🙂 Liebe Grüße!

  2. Ich bin auch eine Stiefmutter. Die kleine Maus lebt zwar nicht bei uns aber sie ist jedes 2. Wochenende da. Da mein Partner und ich seit ihrem 1. Lebensjahr zusammen sind (jetzt ist sie 4 1/2) wächst sie mit mir auf. Ich habe ihre Windeln gewechselt, mich ankotzt lassen (mehrfach :D) und versuche alles. Trotzdem gibt es Momente, in denen sie Heimweh hat, in denen sie nach ihrer Mama weint. Und es bricht mir das Herz, dass ich ihr dann nicht geben kann was sie braucht. Papa ist dann auch nicht so gefragt. Es ist anstrengend, unendlich anstrengend. Dank schichtdienst meines Partners und den Papawochenenden haben wir kein Wochenende für uns. Kein einziges. Wir haben 1 halben Samstag im Monat. Manchmal frage ich mich, wie wir das überhaupt schaffen, als Paar. Aber: ich habe mich bewusst dafür entschieden. Und du hast recht: es gibt keine Alternative. Sie wird immer Bestandteil seines Lebens sein, immer seine Nr. 1 sein. Danke für deinen Text.

  3. Hi!
    Also ich bin selbst ein Patchworkkind und habe auf beiden Seiten noch Geschwister bekommen. Im Teenageralter war die Situation auch für mich schwierig, da grade in dieser Zeit mein Papa mit seiner neuen Frau zusammenkam. Aber jetzt – seitdem ich erwachsen bin – sehe ich es nicht mehr als Nachteil keine konventionelle Eltern Situation zu haben, sondern vielmehr als Bereicherung. Man lebt mit vielen Charakteren, lernt viel für sich selbst dazu. Klar ist es nicht immer einfach, aber ich weiß, dass es mir lieber ist dass wir so leben und glücklich sind als anderes und nicht glücklich. Ich denke, grade weil die Mädels in einem schwierigen Alter sind, wirds für dich noch länger nicht einfach bleiben, aber es wird sicher eines Tages besser werden und sie werden dir die Dankbarkeit auf jeden Fall zurückgeben!

  4. Hey Jennifer, ich weiß genau wovon du sprichst/schreibst. Du bringst es auf den Punkt. Ich möchte auch nie jemanden ersetzen und alle Kinder gleich behandeln.
    Aber mittlerweile versuche ich zu meinem Stiefsohn eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen, das gelingt besser.
    Liebe Grüße Jasmin

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