Im Kindergarten • über soziale Kompetenzen und ganz viel Schlaf

In Deutschland besuchen 93,6% der Kinder zwischen 3 und 6 eine Kindertagesbetreuung. Und 32,7% der unter 3 Jährigen. In den neuen Bundesländern sind es fast doppelt so viele wie in den Alten. Sei es ein Kindergarten, oder eine Tagesmutter, Tendenz steigend. Der Trend geht also zur Fremdbetreuung.

Ich habe vier Kinder, die in diesem Punkt unterschiedlicher nicht sein könnten. Vielleicht ist es eine Charakterfrage, vielleicht ist es anerzogen, vielleicht liegt es aber auch an meiner inneren Einstellung, die sich im Laufe der Zeit verändert hat. Aber eins hat sich nie geändert, mein Wunsch, jedem Kind das zu geben was es braucht. Vor acht Jahren begann meine erste Eingewöhnung und ich schreibe hier nur aus meiner Sicht, da die Kinder noch zu klein waren, um mir ihre Sicht der Situation zu schildern.

Meine Ältester war 3 1/2 als seine Eingewöhnung in den Kindergarten begann. Es waren 6 lange Wochen, in denen es immer wieder auf und ab ging und ich ihn schlussendlich wieder mit nach Hause nahm. Dieses ganze Gruppen-Ding war einfach nichts für ihn. Es war nicht sein Ding. Manchmal holte ich ihn ab und er saß noch immer auf der obersten Stufe der Treppe, genau dort wo wir uns vor 4 Stunden verabschiedet hatten. Noch heute ist er sich selbst oft genug, er kann sich stundenlang in Lego vertiefen, liest bis zur Ermüdung oder führt Selbstgespräche. Er kann gut alleine sein und trotzdem fehlt es ihm nicht an sozialen Kompetenzen. Genau das wurde uns beim Erstgespräch mit der Schule vorgeworfen. “Was, ihr Kind hat keinen Kindergarten besucht? Wie soll er mit den andern Kindern klarkommen?”

Es gab keinerlei Probleme. Man kann sich drüber streiten, ob man dieses Verhalten dadurch nur noch verstärkt hat. Ob man Kindern, die so augenscheinlich ungern mit anderen Kindern spielen nicht ganz bewusst in einen Kindergarten stecken sollte. Allein schon um dieses Defizit auszugleichen. Auf Teufel komm raus. Wir sind einen anderen Weg gegangen und haben ihn so sein lassen, wie er ist. Er hat sich weiterentwickelt und ist jetzt ein echter Menschenfreund, der ohne Probleme in der Schule zurechtkommt. 

Nummer zwei war schon vier Jahre alt, sein großer Bruder wurde grade eingeschult und im Gegensatz zu ihm, konnte er schon recht früh mit jedem. Ich mein, kennt ihr diese Kinder, die einfach auf alle Menschen zugehen und sie vollquatschen, völlig Fremde auf der Straße. Fünf Minuten auf dem Spielplatz und zehn Kinder kennengelernt. Genau so verhielt er sich auch im Kindergarten. Es dauerte keine Woche, und er wollte nicht mehr weg. Ganz ohne Tränen und Vermissen.

Und dann kam Konrad, er war grade zwei, seit einem halben Jahr großer Bruder und mit vier älteren Geschwistern, war Zuhause immer was los. Nachmittags war alles in Ordnung, die Großen waren da und jagten ihn durch die Wohnung, oder über den Spielplatz. Aber Vormittags war er mit mir und seiner kleinen Schwester einfach nicht ausgelastet. Seine Eingewöhnung dauerte keine zwei Wochen, dann war er mit dem ganzen Haus per DU und freute sich jeden Morgen auf seine Freunde. Es gab auch in den kommenden Wochen und Monaten keinen Tag, an dem er nicht gerne in die Kita ging.

Aber wie würde es bei Johanna sein? Auch hier habe ich von Anfang an gesagt, wenn der Kindergarten nichts für sie ist, kann sie bis zur Einschulung zu hause bleiben, aber probieren kann man es ja. Vier Tage und sie würdigte mich keines Blickes mehr, sobald wir den Gruppenraum betraten. Dienstag nach Ostern war ihr erster Tag und am Montag drauf blieb sie das erste Mal ihre vollen 5 Stunden. Zugegeben, sie kannte die Räumlichkeiten und die Betreuerinnen, weil sie jeden Tag mit kam, wenn ich ihren Bruder brachte und abholte. Und sie brauchte auch keine Verlassensängste entwickeln, da sie ja wusste, dass ich sie wieder abholen würde, genau wie ich es jeden Tag bei ihm tat.

Jetzt, nach drei Wochen im Kindergartenkind sind wir uns sicher, es war absolut die richtige Entscheidung. In einer Gruppe, in der überwiegend Mädchen sind, kann sie noch mal ganz anders agieren. Kontrastprogramm, zu dem Trubel den sie Zuhause mit ihren Brüdern hat.

Nach vier ganz unterschiedlich verlaufenden Eingewöhnungen kann ich sagen, alle Sorgen waren unbegründet. Wird Er/Sie ohne mich schlafen können? Sie schlafen dort besser als Zuhause. Selbst wenn alle Kinder schon wach sind und um sie herum spielen. Wird er ohne Kindergarten zum Einzelgänger? Nein, jedes Kind braucht seine Zeit. Manche können früher loslassen und manche eben etwas später. Bin ich als Mutter schon soweit? Wen interessiert das, es ist meine Aufgabe als Mutter meinem Kind keine Steine in den Weg zu legen, sondern es bestmöglich zu unterstützen.

Und eine Frage, die mir vor kurzem von einer Erzieherin gestellt wurde, die mir selber aber gar nicht in den Sinn kam: Bist du traurig, dass jetzt alle aus dem Haus sind? Kinder gehen ihren Weg, ob wir wollen oder nicht. Und sie haben ein Recht darauf. Und warum soll ich darüber traurig sein, denn das wäre doch aus reinem Egoismus. Ich erfreue mich an ihren Fortschritten und bin dankbar, dass ich ihnen dabei noch manchmal die Hand reichen darf.

2 Kommentare

  1. toller Post und ich finde es toll, dass du die Kinder individuell sein lässt und ihre Einzigartigkeiten förderst. ist selten genug…
    Da ich keine KiTa Erfahrungen habe ( war zu meiner “Glanzzeit” in unserem Kaff noch nicht so üblich),…hab ich als Pingelpaket mal ne frage….hat da jedes Kind eine eigene Unterlage auf Zeit-oder werden die so durchgemixt und wie oft werden die Spanntücher gewechselt..allein die Vorstellung macht mir Lippenbläschen🙄🤣

    1. Ist doch eine berechtigte Frage😅 Jeder hat seine Matratze und Spannbetttuch und Decke werden regelmäßig gewaschen. Aber sie tauschen auch mal die Schnuller, dass lässt sich bei so kleinen Kindern nicht vermeiden und bringt sie auch nicht um 🤷🏼‍♀️

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