Buchtipps von Herrn Brummkreisel #3 • Thriller für den Urlaub

Welchen Anforderungen muss ein Thriller genügen? Er muss seine Leser packen: Spannungsbogen aufbauen, dichte Charaktere, Psycho-Wendungen – fertig ist der Pageturner.

Drei Thriller für durchgelesene Nächte:

 Melanie Raabe „Die Falle

Linda ist eine erfolgreiche Schriftstellerin. Seit elf Jahren lebt die 38jährige jedoch extrem zurückgezogen. Das Haus am Starnberger See hat sie seit dem traumatischen Mord an ihrer Schwester nicht verlassen. Sie hat die Schwester damals gefunden, den Täter gesehen. Als sie eines Tage dessen Gesicht im Fernsehen sieht, schmiedet sie Rache. 

„Die Falle“ zieht den Leser in einen Sog:Cliffhanger und Schnitte sind handwerklich sauber und raffiniert gesetzt und das Tempo ist hoch. „Die Falle“ ist ein dichter Psycho-Thriller, der ohne Serienkiller-im-Blutrausch-Dramatik eine ganz eigene Spannung und ein fesselndes Leseerlebnis erzeugt

Der Kölner Journalistin und Bloggerin Melanie Raabe, Jahrgang 1981, ist mit „Die Falle“ ein internationaler Erfolg gelungen. Die Rechte gingen in 16 Länder. Die Filmrechte waren verkauft, bevor das Buch erschien. So ein „Deal“ hat manchem Thriller geschadet, weil der literarische Aufbau in zu filmisch gedachten Sequenzen gesetzt wurdeBei Raabe ist dies nicht der Fall. Ein Thriller, der unbedingt mit ins Urlaubsgepäck muss. 

Ingar Johnsrud „Der Hirte“ 

Ein vom Leben gezeichneter Kommissar, ein Vermisstenfall und eine mysteriöse Sekte. Fertig ist der klassische Skandinavier. „Der Hirte“ ist das Debut und der Auftakt einer Triologie des norwegischen Autoren Ingar JohnsrudIn bester nordischer Tradition beginnt „Der Hirte“ ganz harmlos. Die Tochter einer einflussreichen Politikerin wird vermisst. Auf der Suche nach ihr stößt Ermittler Frederick Beier auf ein grausames Massaker. Fünf Mitglieder der christlichen Sekte „Gottes Licht“ wurden in einem alten Hof vor den Toren Oslos grausam ermordet. Der Hof gleicht einem Hochsicherheitstrakts und im Keller stoßen die Ermittler auf ein Labor, dessen Zweck sie sich nicht erklären können. Von den restlichen Mitgliedern der Sekte fehlt jede Spur. Der Beginn eines fesselnden Rundumschlages. 

„Der Hirte“ ist ein so gelungenes wie allerdings auch vielschichtiges Debut. Johnsrud versteht es, Fährten zu legen und Wendungen zu vollziehen. Der Thriller erfordert daher maximale Aufmerksamkeit, um Figuren, Handlungsstränge und Zeitsprünge einzuordnen und zu verfolgen. „Der Hirte“ ist nichts für einen ruhigen Nachmittag am Strand. Ausflüge in die Politik und Geschichte – Islamismus und Nationalismus – und die Wissenschaft machen den Thriller komplex. Die Sprache indes ist einfach gehalten. Das hilft der Spannung. Wer den roten Faden nicht verliert, wird mit Höchstspannung unterhalten und sollte der Fortsetzung der Beier-Triologie entgegenfiebern. 

Don Winslow „Corruption

Was für ein furioser Thriller!Corruption“ legt man nur einmal aus der Hand, wen man dieses neue Epos des US-Thriller-Stars Don Winslow durchgelesen hat. Die Geschichte ist schnell erzählt. Denny Malone ist ein New Yorker Cop. Und er ist ein Dirty Cop, der die Hand aufhält, der in Mafiakreisen mitmischt und der jeden Schweinkram mitmacht. Denny ist auch ein Hero Cop. Der größte New Yorker Drogenfund, 50 Kilo Heroin, ist ihm und seinem Team gelungen. 

Doch als Denny einen Fehler macht, und einen ehrgeizige Bundesanwältin sich gegen ihn stellt, nimmt das Drama seinen Lauf. Cop hält Hand auf und gerät zwischen Gesetz und Verbrechen? Alles schon mal gehört, gesehen oder gelesen. Aber noch nie so brillant und furios geschrieben. 

Winslow schreibt lakonisch, spannend und originell, Szenen gleichen einem Action-Thriller und Vor- und Rückblenden sind von perfekter Routine. Dass Winslow sein Handwerk beherrscht, zeigt er schon „Tage der Toten“, „Savages“ und „Kings ofCool“. Mit „Corruption“ ist ihm erneut ein so furioser wie spannender Thriller gelungen. Wie gemacht für eine durchgelesene Nacht 

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